Das Entwicklerstudio Dontnod Entertainment konnte durch „Life is Strange“ ordentlich durchstarten und hat nicht nur bis vor kurzem am Rollenspiel „Vampyr“ gearbeitet, sondern startet in diesem Jahr auch die zweite Staffel des episodischen Erfolges. Bereits im kommenden Jahr erscheint jedoch ein weiteres Spiel, diesmal unter dem Publisher Bandai Namco. Ob „Twin Mirror“ ähnlich überzeugen kann wie die bisherigen Werke, können wir nach der Präsentation auf der gamescom nur erahnen.

Ein geistiger Nachfolger

Wie schon das vorherige Spiel, in dem Entscheidungen die Geschichte beeinflussen, erscheint „Twin Mirror“ in mehreren Episoden. Dieses Mal sind es nur drei, die sich ganz um den Journalisten Sam drehen. In „Lost on Arrival“ kehrt er zurück in seine Heimat Basswood, die er einst nach einer Trennung verlassen hat. Der Grund für die Rückkehr ist kein schöner, denn sein bester Freund ist gestorben und er fühlt sich gezwungen, der Beerdigung beizuwohnen, obwohl er dies gar nicht möchte. Der Spieler findet am Anfang einen gebrochenen, verlorenen Sam wieder, der nicht weiß, in welche Richtung sein Leben verlaufen soll. Deshalb sind die Entscheidungen wichtig, denn diese bestimmen die Zukunft des intelligenten, aber destruktiven Helden. Keine Entscheidung soll richtig oder falsch sein, sodass der Spieler frei nach seinen eigenen Werten spielen kann, um Sam zu formen. Leider nehmen die Dinge früh eine erschreckende Wendung.

Blutiges Erwachen

Zu Beginn der Demo befindet sich Sam in seinem Hotelzimmer und wacht nach einer Nacht voller Alkohol sichtlich erschöpft auf. Bereits beim Gang ins Badezimmer erscheint sein sogenanntes Double. Diesen kann nur Sam selbst sehen, da er die Manifestation seiner anderen Seite ist. Das Double ist selbstsicher, egoistisch und auch in allen anderen Belangen das Gegenteil von Sam. Die Macher beschreiben ihn als den inneren Engel und Teufel zugleich, da er in einigen Situationen gute Ratschläge gibt, in anderen jedoch Sams Untersuchungen behindert. Nach einer Warnung verschwindet er auch schon wieder und Sam findet im Badezimmer sein Hemd vor, voller Blut einer anderen Person. Um die Ereignisse der vorherigen Nacht zu rekonstruieren, taucht er in seinen Gedankenpalast ein, in dem das Gameplay beginnt.

Erneut kreativ 

Der Gedankenpalast kommt immer dann zum Einsatz, wenn Sam Ereignisse rekonstruieren möchte. Dafür erschafft er einen nahezu identischen Raum wie der, in dem er sich befindet, jedoch in seinem Kopf. Der Spieler muss am realen Ort mit allen möglichen Objekten interagieren, damit diese im Palast erscheinen, zu dem er in diesen Rätselpassagen jederzeit reisen kann. Einmal übertragen, muss Sam diese Puzzelteile richtig zusammensetzen. In der Demo war dies unter anderem das Bett. Man musste entscheiden, ob er dort direkt eingeschlafen ist, den TV eingeschaltet oder sein Handy gegen die Wand geworfen hat. Die letzten beiden Optionen stehen nur zur Verfügung, wenn Sam entsprechende Hinweise am realen Ort gefunden hat. Sind alle Bestandteile ausgewählt, wird die Szene abgespielt und die Erinnerungen wiederhergestellt.

Zu leicht?

Der kleine Einblick in die Welt der Rätsel von „Twin Mirror“ hat sehr viel Spaß bereitet. Der Wechsel zwischen den Welten, das genaue Inspizieren der Lage und das Rekonstruieren der Geschehnisse ist kreativ umgesetzt und überzeugt ähnlich wie schon die Zeitreisen in „Life is Strange“. Die Ernüchterung dürfte in der Form des Schwierigkeitsgrades kommen, denn wie schon im spieltechnischen Vorbild war es sehr einfach, das Rätsel zu absolvieren. Da der Fokus sehr stark auf der Geschichte sowie den Entscheidungen liegt, ist es wahrscheinlich, dass niemand lange überlegen muss, wie es weitergeht. Es wird für die Entwickler eine Herausforderung sein, nicht in dieselbe Falle wie „Life is Strange“ zu tappen und selbst gegen Ende noch kreative Rätsel zu erschaffen.