Auch in diesem Jahr schickt Konami seine Fußballsimulation auf das Spielfeld, die auf den wenig überraschenden Namen „Pro Evolution Soccer 2019“ hört. Ob das Spiel selbst mehr Überraschungen vorweisen kann, verrät unser Test.

Aufstellung

Die Modusauswahl bei „PES 2019“ kann sich wirklich sehen lassen. Vom freien Training und kleinen Herausforderungen zum Erlenen von Standardsituationen oder besonderen Techniken über Liga- und Pokalwettbewerbe bis hin zum Karrieremodus als Manager wird offline alles geboten. Allerdings ist der Karrieremodus in seiner aktuellen Form aufgrund der zwei vollständig getrennten Budgets für das Ablösen und Gehälter in seiner aktuellen Form eine Quelle des Frusts. Bei 30 Millionen Euro Transferbudget nicht mehr das Gehaltsbudget zu haben, um auch nur einem Jugendspieler einen Profivertrag anbieten zu können, ist schlichtweg nicht nachvollziehbar. Hier bleibt nur die Hoffnung auf einen baldigen Patch. Auch eine eigene Spielerkarriere kann gespielt werden, in der ein realer oder erstellter Spieler den Weg vom Auswechselspieler eines Abstiegskandidaten zum Weltfußballer des Jahres antritt. Allerdings reicht dieser Modus nicht an den aufwändig inszenierten Journey-Modus der Konkurrenz heran.

Auch online hält Konami für jeden Spielertypen den passenden Modus bereit. Neben spontanen Freundschaftsspielen kann man in Ligen gegen Spieler aus aller Welt antreten, sich gemeinsam mit einem Freund im Online-Koop mit anderen Teams messen oder gar ein Match bestreiten, in dem jeder der 22 Fußballer von einem realen Pendant am Bildschirm gesteuert wird. Das Hauptaugenmerk der Entwickler dürfte jedoch auf myClub liegen, da hier reales Geld investiert werden kann, um eine möglichst konkurrenzfähige Truppe auf die Beine zu stellen und die Spielerkarten so miteinander zu kombinieren, dass eine möglichst hohe Teamchemie den eigenen Club zu diversen Titeln beflügelt. Wer dazu bereit ist, wird sicherlich eine sehr lange Zeit ziemlich viel Freude an all den Features des myClub-Modus haben.

Die Onlinepartien funktionieren nämlich sehr gut. Das Matchmaking klappte im Test nach kurzer Wartezeit bestens, bis auf einige seltene Ruckler lief das Spielgeschehen flüssig ab und einen realen Kontrahenten zu bezwingen, erzeugt doch ein umfassenderes Glücksgefühl, als den nach einer gewissen Zeit vorhersehbaren CPU mit einigen Doppelpässen als Verlierer heimzuschicken.

Seitenwahl

Zu den Lizenzen sei gesagt, dass Konami in diesem Jahr nicht mehr die Rechte an der UEFA Champions League hält, wohl allerdings am asiatischen Pendant. Vereinzelte Ligen in Europa und Südamerika sind lizensiert, darunter die ersten beiden französischen Ligen, die niederländische oder auch die brasilianische Série A. Manche europäische Top-Klubs wie Arsenal, Liverpool oder Barcelona sind originalgetreu. Immerhin sind die Spieler der englischen Premier League richtig benannt und auch in ihren Fähigkeiten den realen Vorbildern nachempfunden, wenn sie auch bei Manchester Red oder Manchester Blue spielen. Aus Deutschland haben es nur Leverkusen und Schalke ins Spiel geschafft. Eine deutsche Liga fehlt im Gegensatz zur englischen oder spanischen hingegen völlig. Wer also Wert auf vollständige Lizenzen legt, muss sich diese entweder in mühevoller Eigenregie editieren, umständlich via USB-Stick importieren oder auf die Konkurrenz von EA zurückgreifen. 

Anstoß

„Entscheidend is‘ auf‘m Platz“ wusste schon Adi Preißler und hier kann „Pro Evolution Soccer“ nun endlich seine Stärken vollständig ausspielen. Die Kamerafahrt über das Stadion und die umliegende Stadt, der Spielertunnel auf Schalke im Grubenschachtlook, die einlaufenden Spieler oder die jubelnden Fans erzeugen eine authentische Atmosphäre, die die Vorfreude auf den Anpfiff steigern. Die Animationen der Spieler wurden erneut verfeinert und wirken realitätstreu, die Ballphysik ist bekanntermaßen grandios und die Freiheit der in vielen Punkten anpassbaren Steuerungsmöglichkeiten ist unübertroffen. Es erfordert einiges an Übung, Pässe oder Schüsse vollkommen manuell zu dosieren und auszurichten, aber die Belohnung dafür ist das traumhafte Glücksgefühl, nicht mehr vom Spiel bevormundet zu werden.

Dies gilt allerdings nur, solange man selbst im Ballbesitz ist. In der Defensive sind die Aktionsoptionen arg begrenzt. Das Timing bei Tacklings ist vollkommen irrelevant; simples Halten der X-Taste wird in den meisten Fällen genügen, um dem Gegner den Ball abzuluchsen. Grätschen sind nur bedingt hilfreich, da man kaum Einfluss darauf hat, ob sie dem Ball oder den gegnerischen Beinen gelten und meist in einen Foul münden. Außerdem kommt es gelegentlich vor, dass KI-gesteuerte Mit- oder auch Gegenspieler Flanken oder Pässe ungehindert passieren lassen, obwohl sie nur den Fuß ausstrecken müssten, um dies zu verhindern. Hier wirkt es manchmal so, als würde Konami bewusst mehr Torchancen zulassen wollen, um das Spiel künstlich interessanter zu gestalten. 

Diesen Eindruck zerstreuen allerdings gleich wieder die Laufwege der KI-Teammitglieder. Oft starten sie Sprints in Lücken der Abwehr, nur um im Moment der Ballabgabe kurz abzubremsen und den Tempovorteil gegenüber dem Verteidiger zu verspielen.