„Zone of the Enders“ dürfte für viele vor allem dadurch ein Begriff sein, dass die Reihe unter der Feder von Hideo Kojima und seinem Team entstanden ist. Nach einer HD-Konvertierung wurde der zweite Teil des Franchises nun noch einmal für die PlayStation 4 neu veröffentlicht – mit optionaler VR-Unterstützung. Ob die Mecha-Action auch fünfzehn Jahre nach der ersten Veröffentlichung noch überzeugen kann, zeigt die folgende Review.

Rache im Weltall

Da es sich bei „Zone of the Enders: The 2nd Runner Mars“ um ein Spiel von Hideo Kojima handelt, selbst wenn er nur damals als Produzent fungiert hat, steht im Vordergrund natürlich auch eine Geschichte. In dieser ist der Protagonist Dingo ein Minenarbeiter auf dem Mond Callisto und findet dort durch Zufall den Orbital Frame Jehuty, eine Art von Menschen gesteuerter Kampfroboter. Damit befindet er sich inmitten von Armeen der bösen BAHRAM, von der er schon einmal Teil war. Nach einer Konfrontation mit dem Anführer Nohman wird Dingo erschossen und findet sich kurz darauf in Jehuty wieder. Nur dieses Mal kann er sich nicht mehr aus dem Roboter bewegen, da er sonst sterben würde, und muss sich nun zusammen mit der Undercover-Agentin Ken an Nohman rächen.

Wirre Erzählung

Die Geschichte ist genauso wirr, wie sie auch klingt. Man wird sofort in das Geschehen geschmissen und wenn man nicht den Vorgänger gespielt hat, wird es auch einige Zeit dauern, bis man die Welt so richtig verstanden hat. Lässt man sich aber auf das Spiel ein, bekommt man eine recht nette, kurzweilige Erzählung geboten, die vor allem durch die verschiedenen Zwischensequenz-Stile interessant wird. Neben Anime-Sequenzen, die aus heutiger Sicht etwas veraltet und merkwürdig hochskaliert wirken, gibt es auch noch Videos in In-Game-Optik, die meist actionreicher sind. Aber auch diese haben weiterhin die gleichen Macken, wie schon in vorherigen Ports, weshalb es hier und da zu stilistischen Rucklern kommt, die extra für dramaturgische Zwecke eingesetzt werden. Das muss man einfach mögen und ist nicht jedermanns Sache. Zu guter Letzt gibt es aber auch Dialog-Szenen, bei denen die Charaktere mit minimal animierten Gesichtern über die Gesichtskameras ihrer Roboter miteinander kommunizieren. Das erinnert derweil ein wenig an die Codec-Gespräche aus „Metal Gear Solid“ und dient als Brücke zwischen den Cutscenes und dem Gameplay.

Angestaubt

„Zone of the Enders: The 2nd Runner Mars“ zeichnet eine sehr kühle Zukunft und genau das zeigt sich auch im Leveldesign. Denn dieses ist oftmals sehr gleich gehalten und lässt einen viele kalte, mechanische Korridore erkunden. Zudem gibt es in den Missionen immer mal wieder Situationen, in denen man überhaupt keine Ahnung hat, wo man genau hin muss. Gepaart mit dem immer wieder gleichen Aufbau der Orte, kann man sehr schnell die Orientierung verlieren. Die 2D-Karte ist zwar einigermaßen hilfreich, sobald man sie einmal verstanden hat, aber immer wieder in das Menü zurückzukehren, nervt und zeigt dann doch ein wenig das Alter des Spiels. Sowieso wirken viele Sachen, wie eben auch das Level- und Menüdesign, etwas altbacken. Es gibt zwar eine Mini-Map, diese ist aber nur auf Sehr Einfach verfügbar, was eine dumme Entscheidung ist.

Neben der Erkundung aus der Third Person-Perspektive will man mit seinem Mecha natürlich auch Gegner bekämpfen. Genau das gibt es auch zuhauf im Spiel und findet fast immer in speziellen Räumen statt. Der Roboter kann sowohl aus der Ferne als auch aus der Nähe kämpfen. Leider bleibt das aber immer gleich und man hat stets ein Schwert sowie eine normale Laser-Gatling zur Hand. Die beiden Angriffe können durch einen Dash oder durch Aufladung etwas abgeändert werden, aber sehr schnell hat man raus, worauf es im Spiel ankommen wird. Etwas Abwechslung bringen dann immerhin die Subweapons, die man im Laufe des Spiels freischaltet. Diese kann man begrenzt per Subweapon-Energie verwenden, sind aber dadurch auch deutlich stärker als die normalen Angriffe. Insgesamt muss man einige Zeit in das Spiel stecken, um wirklich mit allem zurechtzukommen, da vor allem die Steuerung zu Beginn doch sehr überladen ist. Hat man das alles einmal raus, funktionieren die Schusswechsel ganz ordentlich. 

Bloßer Port

Mit dem Port der HD-Fassung von „Zone of the Enders: The 2nd Runner Mars“ auf die PlayStation 4 wurde der Grafik noch einmal ein guter Boost nach vorne gegeben. Die gesamten Umgebungen glänzen mit etwas mehr Effekten, aber insgesamt merkt man einfach, dass der Unterbau des Spiels einige Jahre bereits auf dem Buckel hat. Sehr schön hingegen ist der fast schon ikonische Soundtrack mit melancholischen, aber auch actionreicheren Sounds, die zusammen einen ganz eigenen Stil ergeben.

Überraschungen in VR

Bis zu diesem Punkt ist „Zone of the Enders: The 2nd Runner Mars“ eigentlich nur ein bloßer Port. Aber das wird sich ändern, wenn man das Spiel in VR startet. Der gesamte Titel ist dabei in der virtuellen Realität spielbar und bringt gleich einige Neuerungen mit, die man so nicht erwartet. Die wohl größte Überraschung sind die Cutscenes. Denn alle per Engine gerenderten Sequenzen werden zwar im Cinema-Modus der PSVR dargestellt, sind aber auf der digitalen Leinwand in 3D. Das lässt die Szenen noch einmal ganz anders wirken und hilft auch dabei, nicht komplett die Immersion zu verlieren, dass man immer wieder die Ansichten wechselt. Man freut sich fast schon jedes Mal darauf, wenn eine neue Cutscene kommt.

Spielerisch entscheidender ist dann aber die neue Ansicht innerhalb des Cockpits. Man beobachtet das Geschehen nämlich aus einer exklusiven First Person-Perspektive und kann somit direkter an der Action teilnehmen. Die gesamten Level fühlen sich dadurch unglaublich riesig an und lassen einen tief in das Spiel abtauchen. Zudem gibt es ein Hologramm, wodurch man weiterhin die Bewegungen seines Orbital Frames sehen kann und immer weiß, was man gerade macht. Auch einige der HUD-Anzeigen befinden sich integriert im Cockpit. Wer aber „Zone of the Enders 2“ schon einmal gespielt hat, der weiß, dass die Action sehr schnell und sehr wirr werden kann. Immer wieder wechselt man vom Fernkampf zum Nahkampf und springt von einem Gegner zum nächsten. Das kann für Motion Sickness-Anfällige ganz schnell zum Todesurteil werden, wodurch der VR-Modus wirklich nicht für jedermann ist. Zudem potenzieren sich einige der negativen Punkte, wie das schlechte Level- und Missionsdesign, da man entweder ständig die Immersion brechen muss, indem man in das Menü wechselt oder man ist etwas genervt davon, dass alles gleich aussieht. Insgesamt ist die Optik innerhalb der Brille aber für ein PSVR-Spiel auf der Standard-PS4 ganz gut gelungen und befindet sich auf dem oberen Niveau von dem, was man bisher sehen konnte. Wem nicht zu schnell schlecht wird in VR, der sollte das Spiel definitiv auf diese neuartige Weise erleben.