In einer Zeit, in der zahlreiche Sammlungen alter Spiele veröffentlicht werden, hielt sich Konami bislang zurück. Dabei bietet die Geschichte der Spieleschmiede zahlreiche Klassiker, die nicht nur Fans gerne erneut erleben würden. Glücklicherweise erscheinen in diesem Jahr drei Geburtstagsgeschenke, darunter die „Konami Arcade Classics Anniversary Collection“. Ob diese Zeitreise es auch wert ist, verraten wir im Test.

Außerirdische Zeitreise

In der Sammlung sind acht Spiele enthalten, der Titel ist aber etwas irreführend. Anstatt in die Vielfalt von Konami einzutauchen, gibt es gleich sieben Shoot em Ups, schließlich hat der japanische Entwickler das Genre mitbegründet. Eine Ausnahme stellt „Haunted Castle“ dar, ansonsten gibt es eine Geschichtsstunde, die näher verdeutlicht, welche Mechaniken mit welchen Spielen eingeführt wurden.

Die Emulationen sind perfekt gelungen, dank Technik von Arcade Archives. Einige Aspekte lassen sich anpassen, darunter der Schwierigkeitsgrad sowie die Auflösungen des Bildes, wobei das Original stets am besten aussieht. Am nützlichsten ist die Möglichkeit, Schnellfeuertasten zu nutzen, ansonsten sollte man nicht allzu viele Extras erwarten. Den Machern ging es hauptsächlich darum, die Spiele möglichst originalgetreu aufzuarbeiten.

Der Anfang

Die Spiele selbst können definitiv überzeugen. Den Anfang macht „Scramble“, möglicherweise das erste Shoot em Up, bei dem ein Raumschiff von rechts nach links fliegt. Hier geht es darum, Kugeln auszuweichen und zu schießen, während Bomben die Ziele am unteren Bildschirmrand treffen. Selbst der Tank sollte mit einberechnet werden, allgemein spielt sich der Titel heute aber eher sperrig, im Gegensatz zu „Nemesis“, den ersten Teil von „Gradius“. Die Schießereien sind auch noch heute ein großes Spaß, was auch an den Upgrades liegt, die noch separat aktiviert werden müssen. Das Leveldesign ist zeitlos genug, um zu verdeutlichen, wieso das Spiel seinerzeit ein Meilenstein war.

Auch der Nachfolger „Vulcan Venture“ ist mit an Bord und zeigt wunderbar, wie sich die Entwickler selbst übertreffen konnten. Das liegt am veränderten Upgrade-System, denn vor dem Start muss der Spieler ein Set wählen, das vorbestimmt, welche Verbesserungen man erhält, wenn entsprechende Items aufgesammelt werden. Das erhöht den Wiederspielwert immens, während die eigentlichen Level ebenfalls wunderbar gestaltet wurden. Der Titel ist zudem sehr gut gealtert und spielt sich weiterhin sehr flüssig.

Bunt und verrückt

Deutlich experimenteller war schon „TwinBee“, das vor allem durch seine bunte Optik heraussticht. Das Spiel benötigt etwas mehr Zeit, um sein volles Potential zu entfalten, doch dank wunderbarem Gegnerverhalten und herausfordernden Bossen macht das Spiel vor allem mit einem zweiten Spieler eine Menge Spaß. Dabei profitiert der Titel stark davon, dass hier ausschließlich Arcade-Versionen vorhanden sind, die nicht nur besser aussehen, sondern sich auch besser spielen.

„Life Force“ wirkt spielerisch sehr vertraut, schließlich handelt es sich dabei um ein Spin-Off der „Gradius“-Reihe. Die Level sind extrem kreativ, denn man kämpft gegen Bakterien und weiteren außergewöhnlichen Feinden. Dank eines simpleren Upgrade-Systems, das eher an heutige Genrevertreter erinnert, ist das Spiel eines der zugänglichsten der Sammlung.

Feinschliff

Ebenfalls besonders ist „Typhoon“, das die Perspektive ändert. Hier wurde versucht, eine 3D-Ansicht zu simulieren, weshalb man nach unten schießt. Das ist gewöhnungsbedürftig, schließlich muss man alleine deshalb in Bewegung bleiben, damit man die Geschosse der Feinde sieht. Dank einem Mix aus solchen Passagen und traditionellen Leveln ist es definitiv wert, einen Blick auf ein damals ebenfalls revolutionäres Spiel zu werfen.

„Thunder Cross“ ist das neueste Spiel und profitiert von der Entwicklung des Genres. Leider bringt es wenig eigene Ideen mit sich, weshalb es sich zwar sehr gut spielt, aber geschichtlich nicht so bedeutungsvoll wie die anderen in der Sammlung enthaltenen Spiele wirkt.

Arcade-Ausrutscher

„Haunted Castle“ ist ebenfalls ein bemerkenswertes Spiel, allerdings aus anderen Gründen. Dabei handelt es sich nämlich um eine Arcade-Version von „Castlevania“, die vor allem optisch beeindruckt. Leider hat sich spielerisch wenig mit den Konsolen-Teilen zu tun und schon simple Schläge mit der Peitsche fühlen sich aufgrund des fehlenden Feedbacks schwach an. Da hilft es auch nicht, dass der Schwierigkeitsgrad viel zu hoch ist, denn Feinde erscheinen an unpassenden Orten und sind nie in einem Schlag erledigt. Das Spiel wurde seinerzeit definitiv so designed, um Münzen zu verzehren, was heutzutage leider überhaupt keinen Spaß bereitet.

Mangelnde Extras

Neben den Spielen gibt es leider wenig, was die Sammlung besonders macht. Ein digitales Buch mit Artworks, Informationen und sogar Notenblättern ist zwar nett, aber auch das einzige Extra. Es gibt keine Online-Ranglisten oder verschiedene Versionen der Spiele, weshalb diese Kollektion lange nicht zu eindrucksvoll wirkt, wie es andere in den vergangenen Monaten bewiesen haben. Die Benutzeroberfläche ist sehr sauber, wirkt aber bereits zu steril. Hier wäre mehr Liebe zum Detail wünschenswert gewesen, denn wer mehr als nur die acht Spiele erwartet, wird enttäuscht.