Überraschenderweise haben sich Sportspielen zu den geheimen Stars der Virtuellen Realität entwickelt. Während bereits die Bewegungssteuerung auf der Wii Spieler zum Schwitzen brachte, ist die Immersion dank PlayStation VR perfekt. Doch eine etwas ruhigere Sportart wurde bislang ignoriert, nämlich Golf, weshalb Sony eine VR-Umsetzung seiner beliebten Reihe entwickelte. Ist der virtuelle Golfplatz aber auch so ansprechend, wie man es sich wünscht?

Pures Golf

Ungewöhnlicherweise entpuppen sich die Move-Controller als großer Vorteil von „Everybody’s Golf VR“, denn sobald man die Plätze besucht, fühlt es sich wirklich so an, als würde man einen Golfschläger in der Hand halten. Auch in Sachen Tracking gab es keinerlei Probleme, was keine Selbstverständlichkeit ist. Spielerisch läuft es dann genauso ab, wie man es sich vorstellen würde. Der Spieler wählt den passenden Schläger, holt aus und schlägt den Ball über die Kurse, bis hin zum finalen Loch. Es entfallen die klassischen Anzeigen, und auch die Knöpfe müssen nicht im richtigen Moment gedrückt werden, denn die eigenen Körperbewegungen bestimmen das Geschehen, wie im echten Leben.

Das Spielgefühl ist wunderbar authentisch geraten, allerdings ist die Eingewöhnungszeit deshalb auch deutlich höher als bei traditionellen Genrevertretern. Glücklicherweise gibt es ein ausführliches Tutorial, gesonderte Übungsplätze, und der Vorbereitungs-Modus ist vor jedem Schlag aktiviert, solange man die Option nicht ausschaltet. Das sollte man alles in Anspruch nehmen, denn bis präzise Schläge über lange Distanz oder der Putt ins Loch gelingen, kann es einige Runden dauern. Niemals wird dieser Lernprozess aber so frustrierend, dass man sich stundenlang einarbeiten müsste.

Schwacher Umfang

Anstatt direkt jeden Modus auszuwählen, müssen die vollen Kurse erst freigeschaltet werden, was aufgrund der Eingewöhnungszeit nicht stört – „Everybody’s Golf VR“ bereitet den Spieler zuerst mit kleinen Herausforderungen auf die eigentlichen Runden vor. Insgesamt gibt es drei Kurse mit je 18 Löchern, was einen durchaus soliden Umfang darstellt. Natürlich wären mehr besser gewesen, doch alle unterscheiden sich angenehm voneinander, vom Flachland bis zum hügeligen Rasen. Sowieso besteht der Anreiz eher darin, sich ständig zu verbessern, als alle Herausforderungen nur einmal zu absolvieren.

Abseits dessen gibt es aber leider wenig. Keine Kampagne, kein Mehrspieler-Modus und keine Mini-Spiele sind ungewohnt für die Reihe und stören insbesondere dann, wenn man alles gesehen hat. Die Langzeitmotivation besteht ausschließlich darin, sich selbst zu verbessern, was nicht jedem gefallen wird. Der Umfang ist demnach die größte Schwäche eines ansonsten starken Golf-Spieles und verhindert, dass man sich intensiver mit den Mechaniken beschäftigt.

Schöne Begleitung

Regelrecht merkwürdig sind die Caddies. Davon gibt es leider nur zwei Frauen, die den Spieler durchweg begleiten, immer wieder Hinweise geben und verhindern, dass man völlig einsam unterwegs ist. Sie sind wunderbar animiert, leider aber viel zu präsent. Sie reden andauernd und kommentieren das Geschehen zu häufig falsch. Hinzu kommen einige Zwischensequenzen, die zwar nett anzusehen sind, durch langweilige Dialoge aber eher den Spielfluss unterbrechen anstatt eine Beziehung zum Caddie aufzubauen. Glücklicherweise lassen sich die Szenen überspringen, dennoch wäre hier eine bessere Abstimmung vorteilhaft gewesen.

Auf dem Platz

Der Grafikstil ist eher realistisch gehalten, was auf dem Papier für VR unpassend klingt. Überraschenderweise sieht die Umwelt aber sehr gut aus, und sogar die Weitsicht überzeugt, weshalb man gerne dem Ball hinterherschaut. Lediglich die Kameraeinstellungen hätten intuitiver sein können, denn man muss erst abwarten, bevor man die Flugbahn nachverfolgen kann. Auch die Caddies sehen gut aus, während die Ladezeiten akzeptabel sind. Man muss lediglich die etwas leblosen Kulissen hinnehmen, denn andere Golfer sucht man ebenso vergebens wie Wettereffekte oder einen Wechsel der Tageszeit. Die Steuerung per DualShock ist zwar möglich, allerdings definitiv nicht empfehlenswert, da die Haltung sehr unangenehm ist.